Insiderinformationen über Meiningen

Bei den alteingesessenen Meiningern, hat Meiningen an der Werra einen anderen Namen:

 

Kloßheim an der Soße

 

Weil die Thüringer Klöße Ihren Ursprung in Meiningen haben. Nur heißen sie hier nicht Klöße, sondern Hütes. Gegessen werden sie typischer Weise mit (Braten-)Soße als:

 

Hüt's mit Brüh'

 

Dies alles geht zurück auf ein Gedicht von Rudolf Baumbach mit dem Titel:

 

Das Lied vom Hütes

Mit hoher Freude sah Frau Holle
Den Segen der Kartoffelknolle,
Wenn sie mit leisem Geistertritt
Unsichtbar durch die Häuser schritt.
Sie sah, wie sich die Hausfrau mühte,
Die Erdfrucht röstete und brühte,
Wie sie mit Butter oder Schmalz,
Mit Kümmel oder scharfem Salz
Mitunter auch durch einen Harung
Gab Würze der Kartoffelnahrung.
Das alles sah Frau Holle an
Und hatte ihre Freude dran,
Und dennoch dachte sie bei sich:
"Ihr armen Leute dauert mich.
Noch habt ihr leider nicht entdeckt,
Was hinter der Kartoffel steckt
Und was die kund’ge Hand für Werke
Kann schaffen aus Kartoffelstärke."

So sprach Frau Holle und alsbald
Ging sie in Küchenmagdgestalt
Bescheiden durch das Schlundhaustor
Und stellte sich den Schlundwirth vor,
Der schmunzelnd auf die Köchin blickte
Und flugs sie in die Küche schickte.
Da stand sie nun in weißer Schürze
Und klapperte mit Topf und Stürze
Und ließ den Wirt und seine Frauen
Ein seltsam Küchenkunststück schauen.

Der Bürgermeister jener Zeit,
ein braver Mann und sehr gescheit,
Rechtgläubig, streng und sittenrein,
Wie stets die Bürgermeister sein –
Derselbige kam dazumal
Ermüdet aus dem Sitzungssaal,
Als eben aus dem Erdgeschoss
Ein süßes Duften sich ergoss,

Und schlau verfolgend die Gerüche
Kam der Gestrenge in die Küche.
Am Herde fand er steh’nd Frau Holle,
Und der geschwärzten Kasserolle
Entstieg soeben riesengroß
Ein dampfender Kartoffelkloß.
Die Göttin aber Licht umflossen
Von rotem Schimmer übergossen
Nach Art der überird’schen Geister
Stand blendend vor dem Bürgermeister
Und sprach: "Nun hab’ ich euch gelehrt,
Wie man die Frucht, die ich beschert,
Den Apfel aus der Erde Schoße
Gestaltet zum Kartoffelkloße.
Wie man das Mark zerquetscht geschickt
Und wie man’s rundet, wie man’s spickt
Mit Bröcklein zart gebräunter Wecken.
Langt fröhlich zu und laßt`s euch schmecken.
Du aber, Haupt des Magistrates,
Du leuchtend Licht des weisen Rathes,
Du Sohn uralten Stadtgeblühtes,
Hier hast du das Receptum. – Hüt’es!"
Frau Holle sprach’s, da war sie fort,
Ihr Werk, der Kloß, blieb aber dort.

Viel Wasser Werra abwärts wallte,
Seitdem Frau Holle Klöße ballte,
Die heut in Stadt und Land zumeist
Der Mund des Volkes "Hütes" heißt
Wohl hat der Bürger längst vergessen,
Wem er verdankt das Götteressen,
Um’s Leben aber ließ er nicht
Von seinem Sonntagsleibgericht,
Das ihm die Magenwand umkleistert
Und ihn zu hoher Tat begeistert.
Wenn ihn der Wintersturm umtost,
Gibt ihn der Hütes Kraft und Trost.
Und kommt der Mai und grünt und blüht es,
Dann speist er freudig seinen Hütes,
Und trinkt er von des Todes Kelche,
So fragt er: "Gibt’s auch drüben welche?"
Der dies gebracht in Vers und Reim,
Ist auch zu Haus in Hütesheim.
Er sang, als er am Südmeer saß
Und schnöde Makaroni aß.
Und wie er aß und wie er sang,
Das bittre Heimweh ihn bezwang.
Ihm war’s beim Makaroni essen,
Als knattern fern Kartoffelpressen
Und ob sich zöge durch die Luft
Ein heimatlicher Hütesduft.
Er sendet dieses Lied als Gruß
Gen' Meiningen am Werrafluss.
Empfangt es fröhlichen Gemütes.
Fahrt wohl! - Das ist das Lied vom Hütes.

Text: Rudolf Baumbach (Volksliederdichter)